RECHNEN LERNEN IN GERA UM 1600

Ein Holzschnitt aus dem Jahre 1524 zeigt das Innere einer Schule.

Im Rahmen einer Veranstaltungsreihe des Fördervereins Stadtmuseum Gera e. V. hält Dieter Bauke am 27. März 2025 einen Vortrag über die mathematische Ausbildung in Gera vor 400 Jahren.

1608 gründete Heinrich Posthumus Reuß j. L. das Geraer Gymnasium Rutheneum. Zuvor wurden Schüler in der Stadtschule (Bürgerschule) unterrichtet, die als Vorläufer des Gymnasiums gilt. Eine erste Ratsschule in Gera wird 1457 erwähnt. Schulpflicht gab es nicht; Schüler lernten hauptsächlich Lesen, Beten und Singen. Schreiben und Rechnen spielten kaum eine Rolle, da sie für kirchliche Hilfsdienste nicht erforderlich waren. Ältere Schüler unterrichteten jüngere.

Heinrich Posthumus selbst erhielt keine umfassende Rechenausbildung. Um 1600 plante er die Gründung einer Landesschule, doch der Rechenunterricht blieb marginal. 1649 kritisierte Rektor Mitternacht, dass nur wenige Schüler eine solide Bildung erlangten – Hauptgründe seien mangelhafte Grammatikkenntnisse und Vergnügungssucht. Mathematik wurde kaum gelehrt, erst im 18. Jahrhundert erkannte man dies als Mangel.

Bis 1600 erfolgte mathematische Ausbildung hauptsächlich im familiären Umfeld oder durch Wanderschaft. Verwaltungs- und Wirtschaftskräfte wurden extern ausgebildet. Die Gymnasiumsgründung änderte wenig: Kaufmännisches Rechnen wurde in den oberen Klassen eine Stunde pro Woche unterrichtet, jedoch ohne Lehrbuch. Erst nach 1650 begann eine langsame Verbesserung.

Zum Thema „Rechnen lernen in Gera um 1600“ gibt Dieter Bauke spannende Einblicke in die Bedeutung der Mathematik für die schulische Bildung im 17. Jahrhundert.

TEXT: DIETER BAUKE

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*